Antoniterkirche

Prominenter Täufling der Antoniterkirche

Die Widerstandskämpferin Freya von Moltke, geborene Deichmann

Was für eine besondere Frau er am 13. Mai 1911 in der Kölner Antoniterkirche getauft hat, konnte der liberale Pfarrer Carl Jatho schwerlich wissen. Freya Maria Helene Ada Deichmann sollte nach ihrer Heirat mit Helmuth James Graf von Moltke eine der wichtigsten Frauen des Widerstandes im Dritten Reich werden.
Geboren wurde Freya Gräfin von Moltke am 29. März 1911 als Freya Maria Helene Ada Deichmann im Deichmannhaus direkt am Hauptbahnhof. Ihr Vater war der Bankier Carl Theodor Deichmann, ihre Mutter Ada eine geborene Schnitzler. Freya war nach den Söhnen Hans und Carl die erste Tochter der Familie. Nach ihrer schulischen Ausbildung an der Kaiserin-Augusta-Schule studiert sie zunächst in Köln, später in Berlin Rechtswissenschaft und promoviert zum Dr. iur.
1931 heiratete sie in ihrer Geburtsstadt Köln im Alter von 20 Jahren Helmuth James von Moltke, der ebenso wie Freya Jura studiert hatte. Ihm folgte sie auf das damals hoch verschuldete Gut Kraisau. Hier begründete das Ehepaar 1940 unter anderem mit Peter und Marion Yorck von Wartenburg eine Gruppe, die Pläne für eine demokratische Gesellschaft nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus schmiedete. Bekannt geworden ist diese Gruppe als der "Kreisauer Kreis", obwohl sie sich nur selten hier getroffen hat. Die "zersetzenden" Aktivitäten blieben jedoch nicht verborgen. Helmuth James von Moltke wurde von der Gestapo verhaftet und am 23. Januar 1945 hingerichtet. Freya flüchtete gegen Ende des Krieges mit den zwei Söhnen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Freya mit ihren Söhnen nach kurzer Rückkehr nach Deutschland zunächst in Südafrika. Den letzten und auch längsten Abschnitt ihres Lebens jedoch verbrachte sie in Vermont (USA), wo sie den Kulturphilosophen Eugen Rosenstock-Huessy unterstützte.
Nach der Wende verzichtete die Familie Moltke auf jegliche Besitzansprüche an Kreisau, sondern unterstützte das Projekt, dass das ehemalige Gut der Moltkes zur Begegnungsstätte für deutsch-polnische und europäische Verständigung umgewandelt wurde. 2004 wurde in Berlin die Freya-von-Moltke-Stiftung für dieses "Neue Kreisau" gegründet.
Freya von Moltke starb am 1. Januar 2010. Ihr Leben jedoch hat signifikante Spuren hinterlassen. Ihres 100. Geburtstags wurde in ganz Köln gedacht - nicht zuletzt in ihrer Taufkirche: der Kölner Antoniterkirche in der Schildergasse. In Anwesenheit ihres Sohnes Helmuth Caspar von Moltke und zahlreichen weiteren Familienmitgliedern wurde am 27. März 2011 eine Lange Nacht der Freya von Moltke begangen. Mit Filmen, Zeitzeugenberichten, Lesungen und Musik wurde an die mutige und widerständige Protestantin erinnert und ein Blick auf ihre Lebensstationen in Köln, Kreisau, Südafrika und Vermont/USA geworfen.
Sehen Sie hier einige Fotos des Abends.
Fotos: © Familienbesitz Familie von Moltke sowie © AntoniterCityKirche

"Wenn ich nicht eine Christin und Rheinländerin gewesen wäre, hätte ich das nicht überlebt"

(Widerstandskämpferin Freya von Moltke)

Ein Gebäude mit Geschichte

Die Taufkirche Freya von Moltkes kann auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken - von den Anfängen als Kirche des Antoniterordens über die Zeit, als sie die erste protestantisch genutzte Kirche in der Stadt Köln war, den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu der Zeit, als sie Veranstaltungsort des Politischen Nachtgebets war. Sie interessieren sich für diese und andere Geschichten? Dann kommen Sie zu einer Führung der AntoniterCityTours!

Kommen Sie herein!

Die Antoniterkirche ist geöffnet:
montags bis freitags von 11 bis 19.30 Uhr, samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 9.30 bis 19.00 Uhr.
Sie wollen (wieder) in die Kirche eintreten? Besuchen Sie unsere Kircheneintrittsstelle!

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